
Es gibt viele Möglichkeiten den Bestand einer Partnerschaft auf Herz und Nieren zu prüfen- Ein Haus zu bauen ist eine davon. Ich kenne keine Passage in der Bibel wo Adam mit Eva im Paradies eine Unterkunft bauen musste. Diese glücklichen!
Planungs -oder Lebensberatung
Biologisch bedingt schreibe ich diese Zeilen aus der Sicht der Frau. Sobald ich unseren Hausbau psychologisch verdaut habe schreibe ich einen Bestseller zu diesem Thema, darin kommen dann auch Männer zu Wort. Darunter auch mein Mann als Bauherr, Architekt und Bauleiter in einer Person. Ich empfehle unbedingt die Beratung und Begleitung eines Architekten beim Hausbau. Als Vertrauensperson bringt er die Wünsche und Vorstellungen seiner Auftraggeber zu Papier und schneidert so maßgefertigten Wohnraum. Er ist der unabhängige Fachmann rund um Bauweisen, und Materialien bis hin zu baurechtlichen Fragen. Mit zusätzlicher Bauleitung erspart man sich auch noch viele Kosten und Ärger mit den ausführenden Firmen. Wenn man diesem Berater jedoch keine Honorarnoten bezahlt sondern mit ihm Tisch, Bett, Leben und Konto teilt dann rate ich zu einem Beitritt bei der Selbsthilfegruppe für Architektenpartner oder zu regelmäßigen Psychiaterterminen.
Na ja, ganz so schlimm war es nicht, zumindest fanden wir meistens gute gemeinsame Lösungen mit denen beide leben können. Manchmal tat es auch sehr gut ein Thema länger ruhen zu lassen. Mit der Zeit kamen dann noch überraschende Vorschläge zutage. In ein paar Fällen drehten wir uns länger im Kreis um dann doch den ersten Vorschlag als den besten zu küren. Auch wenn es anfangs nicht danach aussah, wir werden doch ein gemeinsames Schlafzimmer beziehen, haben uns bei der Küche geeinigt und für die Haustüre finden wir sicherlich auch noch eine Lösung. In meinem anstrengenden Zwiespalt, bei Entscheidungen wegen Unwissenheit nicht über den Tisch gezogen zu werden und meinem Vertrauen in seine Arbeit und seine Leistung, kostete ich auch dem Planer und Bauherrn einige Nervenstränge. Ich mag vielleicht seine mühsamste Bauherrin sein aber für seine zukünftige Arbeit hat er durch mich sicherlich auch einiges dazugelernt. Seinen Spagat vom Planer für das eigene Heim zum kritischen Bauherrn hat er bewundernswert mit Bravour hingelegt.
Zeit ist/und Geld
Der Faktor Zeit spielt eine sehr große Rolle, also je länger der Zustand des absoluten Chaos anhält umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass einer der beiden alleine einzieht. Vielleicht ist das die vernünftige Erklärung weshalb die Fertigteilhäuser so einen Boom erleben.
Die Sorge um das liebe Geld ist der zweite Beziehungskiller der manchmal so übermächtig scheint als wäre er der erste. Klare Rechnung – Gute Freundschaft sagt der Volksmund. Wenn die Liebe noch mit im Spiel ist kommt bei der Kommunikation die Gefühlsebene der Sachebene oft in die Quere. Wer bei Rückzahlungsverpflichtungen nicht vorab das wichtigste schon besprochen hat, dem wird spätestens beim auseinander dividieren der Klopapierrechnung der Kopf rauchen.
Grund zum feiern
Bedrückend empfinde ich die Tatsache wie wenig gefeiert wird nach dem Einzug. Voller Euphorie zeigen viele Paare Fotos vom gekauften Grundstück im Freundeskreis herum. Grillfeiern und Osterfeuer werden auf dem Grundstück vor Baubeginn organisiert und dutzende weitere Feiern angekündigt. Dann folgt erst mal Stille. Irgendwann erfährt man als Freund so nebenbei, dass bereits gesiedelt wurde falls man nicht eine tragende Rolle mit einer Umzugskiste bekam.
In der Wunschvorstellung sperren vermutlich die meisten Menschen bei einem Einzug die Haustür auf und betreten ein perfekt eingerichtetes Heim wo alle Bilder, Teppiche am richtigen Platz sind. Freudestrahlend lassen sie sich auf das neue Sofa fallen und schalten den nagelneuen Ultimativgigantischsuperduper Fernseher ein. Die besten Küchengeräte erledigen das Kochen und Abwaschen fast von alleine und auch die Kinder sind über ihre neuen Zimmer so begeistert, dass sie kaum hörbar sind. Abends noch rasch unter die Regendusche und dann schlafen sie wunderbar friedlich im frisch bezogenen Bett ein.
-Schnitt-
Die Fantasie ist oft ein böses Ekel, denn die Vorstellung hat mit der Wirklichkeit wenig gemein. Wer nicht ein wenig Chaos in sich hat um Verzögerungen bei der Fertigstellung wegzustecken der wird mehr als ein paar graue Haare beim bauen riskieren. Halbfertige Einrichtungen in der Küche oder die noch nicht ganz funktionierende Heizung dürfen nicht als Ausrede für den Einzugstermin herhalten. Auf dem nackten Estrich läuft es sich auch fast so angenehm wie auf dem Holzboden der an dieser Stelle schon verlegt sein sollte.
Die Phasen eines Hausbaues
Vorplanung- die Zeit der Einigung und der Grundsatzdiskussionen
Planungsphase- der Teufel steckt oft im Detail oder wie finden wir einen Nenner
Baubeginn- was habe ich alles vergessen? Wie wirkt 2D später in 3D?
Rohbauphase- erkennen aller Möglichkeiten
Innenausbau- wie lässt sich noch etwas ändern?
Einzug- was ist noch leistbar? Was fehlt wirklich dringend?
Wohnen- abschließen und genießen können
Zu diesem umfassenden Thema werden an dieser Stelle sicher noch einige Gedanken folgen…..
- Lissy
aus der Zitatekiste:
“Das erste Kind und ein Hauskauf (vor allem Bau und Umbau) fordert eine Partnerschaft weit über das normale Maß hinaus. Wer beides überstanden hat hat gute Chancen mit dem Partner alt zu werden.” – S.
“Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein Innenarchitekt unheimlich viel Stress aus der Sache rausnehmen kann. Bei uns wird es um ein Badezimmer gehen, und statt in Ausstellungsräumen vor 10 verschiedenen Waschbecken und 40 verschiedenen Armaturen jeweils die Vor- und Nachteile auszudiskutieren, findet mein Mann alles toll, was aus dem Mund der Architektin kommt, die natürlich vorher von mir gebrieft worden ist.” – H.
“Mein Mann und ich haben auch einen sehr unterschiedlichen Geschmack. Seiner ist eher gradlinig, schnörkellos, modern, meiner geht mehr ins Üppige, Barocke, teils auch Kitschige. Wenn man das so hört, dann kann man sich kaum vorstellen, dass wir es geschafft haben, ein Haus gemeinsam zu bauen und einzurichten. Und zwar so, dass es uns beiden gefällt und wir uns beide hier gleichermaßen wohl fühlen können. Hier hat keiner “aus Liebe nachgegeben” oder sich rücksichtslos durchgesetzt.” – A.
