Gute Vorsätze anstatt fragwürdiger Gesetze

Ein solch guter Vorsatz könnte für 2011 ein mehr hinterfragen von altbekannten und schon immer gewohnten sein. Nicht mehr blind jedem Gerücht und Gesetz vertrauen nur weil- es – immer- schon- so war und es ein-kluger-Mensch vor langer Zeit gesagt hat und schon die Eltern und Großeltern und deren Vorfahren geglaubt haben.
Einem klugen Mann lausche ich seit vielen Jahren gerne zu. Weil er mir nicht seine Version von Dingen aufdrängt sondern mich immer wieder aufs neue mit seinen Zeilen und Mails selbst zum Nachdenken anregt. Weil es immer öfter Situationen in meinem Leben gibt wo ich etwas höre, lese oder erlebe und so bei mir denke: “ Na, das hat doch Thomas schon vor langer Zeit im Rundbrief geschrieben!“
Ein Jahr lang gab es nun keine Mails mehr von ihm, ganz einfach weil er aus seiner Sicht nichts zu sagen hatte. Wo andere sich mühsam ein Thema rausquetschen und vor lauter regelmäßigkeit der Aussendungen keinen Mut zur Lücke haben, schweigt Thomas. Noch dazu musste ich grinsen bei seinem Vorwort:
Noch etwas Organisatorisches:
Emails habe ich schon seit einem Jahr nicht mehr abgerufen.
Tut mir leid.
Ich gehe hiermit also in die Email-Insolvenz. Will sagen:
Ich lösche all die hunderten und tausenden Emails ungelesen und fange neu an.
Wer mir schreibt, den lese ich auch wieder!
Heute starten wieder einige an ihrem Arbeitsplatz ins neue Jahr. Wieviel Zeitersparnis wäre es, wenn sie wie Thomas gleich alle Mails am Server löschen würden, anstatt sie abzurufen und mühsam durchzuforsten. Wieviel würden Sie denn wirklich dadurch versäumen?
Ich möchte dich nun ein wenig teilhaben lassen am letzten Lebenswert- Rundbrief von Thomas. Weil ich Traditionen, Gesetze und auch die Physik sehr schätze und sie dennoch wie er hin und wieder auf den Kopf stellen mag.
Auszug aus dem Silvester Rundbrief von Thomas Hegenauer:
———————schnipp————————-
Es fing ganz harmlos an, wie jeder Physikunterricht. Es gibt ja bekanntlich „physikalische Gesetze“. Das sind Dinge, die einfach so sind. Grund: Weil die so sind. Dafür gibt es mehr oder weniger komplexe Formeln, um diese Umstände möglichst genau zu berechnen. Wir rechneten also, experimentierten ein wenig, rechneten mehr, lernten Formeln und warum Dinge so sind wie sie sind, weil sie eben so sind. (Ja, es dreht sich im Kreis, richtig erkannt.)
Doch schon nach wenigen Monaten stiegen wir tiefer und tiefer in das Feld der Physik hinab und verliessen die Wege, die die anderen Schüler (und fast alle „normalen“ Menschen) bis ans Ende ihrer seligen Tage für die einzigen Wege halten. Nun lernten wir nicht nur Formeln und Gesetze – sondern der Lehrplan sah auch vor, dass wir die Entstehungsgeschichte dieser Dinge hinterblicken sollten. Dank der wenigen Teilnehmer bei dieser Veranstaltung kamen wir schnell voran. Und ich sah: Physik läuft in etwa so: Irgendwer stellt irgendwann irgendetwas fest.
Die berühmteste Geschichte ist wohl der Physiker Newton, dem beim täglichen Pennen unterm Baum ein Apfel auf den Kopf fiel. Statt einem üblen Kobold die Schuld zu geben (was völlig legitim wäre, siehe unten), entschloss er sich, dass es ja ein Gesetz sein müsse, das den Apfel gen Erde und auf seinen Schädel brachte. So wurde die Schwerkraft geboren. Newton warf also geschätzte tausend Äpfel, stoppte Fallhöhen und Zeiten, maß Aufprallenergien und packte alles in eine Formel. Und fertig war das Gesetz der Schwerkraft mit einer Formel, die bis heute verwendet wird, weil Äpfel auch noch heute so fallen wie vor hunderten von Jahren.
Aber das „Gesetz“ war gar keines. Es ist nie eines. Denn zu späteren Zeiten wollten andere es genauer wissen. Und je genauer sie hinsahen, desto klarer wurde: Newtons „Formel“ funktionierte nur grob. Wenn es plötzlich um Milliardstel von Sekunden geht, müssen noch andere Aspekte mit einberechnet werden. So brachten spätere Physiker also „genauere Formeln“ auf. Diese funktionierten so lange… bis sie nicht mehr funktionierten. Und wenn etwas nicht nach Formel funktioniert, dann tut man als Physiker was? Man bastelt eine neue Formel, die mit den Testergebnissen übereinstimmt. Tut sie das, ist eine neue Formel geboren und wir haben ein neues „Gesetz“.
Alternativ kann man auch unsichtbare, unmessbare Fabelwesen erfinden, die die unerwarteten Ergebnisse durch die (natürlich absolut heilige und korrekte) Formel erklären. Und nein: Ich scherze nicht.Physiker beobachten nur was passiert und pressen das ganze dann in eine Formel. Und irgendwann passiert einmal etwas, das es eigentlich nicht geben dürfte – dann wird die Formel eben geändert oder ein unsichtbares Fabelwesen erfunden, das damit auch noch gleich bewiesen ist.
Auf diese Geschichte stiess ich wieder, als ich mit meinen Kindern eine „Was ist Was“-CD anhörte, wo Wissenschaft kindgerecht(?) erklärt wird. Thema: Astronomie. Der Erzähler erklärte hier die so genannten „schwarzen Löcher“. Fazit: Die Astronomen beobachten also den Himmel und packen alles in Formeln. Und irgendwann beobachten sie wieder etwas – aber das passt nicht zu den Formeln. Was tun? Wie wir wissen: Entweder Formel ändern oder Fabelwesen erfinden. Da die Formel zu ändern wohl zu kompliziert war, änderte man einfach das Universum. Da, wo man nichts sah, musste aber doch was sein. Also einigte man sich darauf, dass das, was da sein musste, Eigenschaften haben musste, die es eigentlich so nicht gab und die für Menschen auch nicht vorstellbar (wohl aber berechenbar) sind. Diese Dinger wurden „schwarze Löcher“ getauft und heute erklärt der Sprecher auf der Kinder-CD lustig alle „Fakten“ über schwarze Löcher. Das Beste dabei: Der „Beweis“ (ja, so wird es auf der CD tatsächlich genannt!) für schwarze Löcher ist … trommelwirbel… die Tatsache, dass die bekannten Formeln eines Tages nicht mehr funktioniert haben, aber weil sie ja richtig sind (???) MUSS es also zwangsläufig schwarze Löcher geben.
Ich wiederhole: Das ist KEIN Witz. Die Herren und Damen Wissenschaftler könnten auch sagen, dass an dieser und jener Stelle im Weltraum ein unsichtbarer Riese sitzen muss, der die Sterne in eine solche und solche Richtung anpustet. Das wäre wissenschaftlich genauso erwiesen wie die Theorie der schwarzen Löcher. Aber unter uns: „Unsichtbarer Riese“ hört sich einfach nicht so wissenschaftlich an. Und wenn man die Verdienstmöglichkeiten als Physiker mit denen eines professionellen Märchenerzählers vergleicht – ja dann entscheidet man sich eben für den Physiker als Berufsziel, will ich meinen.
Später kam mir der Verdacht, dass nicht nur Physiker so arbeiten – sondern alle Wissenschaftler. Seit jeher. Und weil wir ja alle brav sind und glauben, was uns erzählt wird, haben wir diese Denkweise gleich mit übernommen im Laufe der letzten 1000(?) Jahre. Mir scheint, von der Welt an sich haben wir allesamt keinen Schimmer. Wie ist sie „wirklich“ und was ist die „Wirklichkeit“?
Bekanntlich beschreibt ein Blinder den Elefanten ganz anders als ein Tauber – und doch ist es der gleiche Elefant. Wie sehr sie es auch versucht – nie wird die Wissenschaft die Wahrheit herausfinden. Und unser Verstand wird nie die Wirklichkeit sehen. Dennoch: Forschung und Denken hat seine Berechtigung. Nur sollte man stets im Auge behalten, was man hier tut und sich entsprechend (un)ernst nehmen. Wenn Fabelwesen helfen, die Welt zu erklären – immer gerne! Wer mir jetzt aber erzählen möchte, das Christkind gebe es gar nicht, dafür aber sehr wohl schwarze Löcher – mmmh, wer nur an eines glaubt, ist unlogisch. Wer an keines von beiden glaubt ist vielleicht haltlos, ich weiss es nicht. Oder gottlos. Das könnte auch das gleiche sein, wer weiss. Wer an beide glaubt und doch weiss, dass es sie gibt und doch nicht gibt – dem steht ein magisches Jahr 2011 bevor.
In meiner Welt kann man sich übrigens aussuchen, was man glauben möchte.
–
Erklärung zum Text:
Ich verfasse Rundbriefe nun seit 1999.
Durch die tausenden Reaktionen meiner vielen tausend Leser habe ich eine Erkenntnis gewonnen, die mir sehr wichtig erscheint:
Was du hier liest, ist NICHT, was ich geschrieben habe.
Jeder Empfänger nimmt die Buchstaben mit seinen Augen auf und verwandelt sie in seinem Gehirn in Bilder, die er versteht (=die eigene Welt).
Da wir aber Gehirne nicht miteinander teilen (also jeder in seiner eigenen Welt lebt), empfängt jeder meiner Leser seinen persönlichen, eigenen Rundbrief mit seinem persönlichen, eigenen Inhalt.
Wenn du also glaubst zu wissen, was der Verfasser dieser Rundbriefe meint oder zum Ausdruck bringen will, dann irrst du dich absolut.
Was du jedoch ganz sicher weisst, sind deine persönlichen Reaktionen und Gefühle. Darum geht es, nur darum allein.
>> IMPRESSUM <<
Aus diesem Rundbrief darf mit Quellenangabe ohne zu fragen zitiert und kopiert werden, ich bitte sogar darum.
Du bist herzlich eingeladen, diese Email weiter zu verteilen.
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Herausgeber:
http://www.lebenswert.de/impressum.shtml
———————schnapp————————-
DANKE dir Thomas!
-Lissy